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Hashimoto und Bauchbeschwerden: Was dahinter stecken kann

Du hast unter meinem Reel SCHILDDRÜSE kommentiert, schön, dass du da bist! Hier siehst du, warum sich Schilddrüse und Darm in beide Richtungen beeinflussen und wonach ich in meiner Praxis schaue, wenn bei Hashimoto auch der Bauch mitspielt.

Das Wichtigste in Kürze

Warum der Bauch bei Hashimoto mitspielen kann

Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Das heißt: Dein Immunsystem greift die Schilddrüse an und entzündet sie dauerhaft.

Aus meiner Praxis

Ich arbeite nach Praxiserfahrung und funktioneller Weiterbildung und nicht nach Leitlinien. In Leitlinien steht oft nicht, was in der Praxis längst als wichtig erlebt wird.

Hashimoto ist für mich selten nur ein Schilddrüsenthema. Autoimmunität entsteht selten grundlos. Deshalb frage ich: Was bringt deine Schilddrüse aus dem Takt? Mögliche Einflüsse sind Stress, der Darm, Nährstoffmängel, Infekte, Hormonschwankungen, Umweltbelastungen und deine Veranlagung. Meist spielen mehrere zusammen, und das ist natürlich immer individuell.

1. Das Tempo deines Darms

Schilddrüsenhormone steuern mit, wie schnell sich dein Darm bewegt, also wie zügig die Wellenbewegung (Peristaltik) den Darminhalt weitertransportiert.

Bei Hashimoto kann beides vorkommen. Im Schub zerfällt viel Schilddrüsengewebe, Hormone werden frei, und es kommen Überfunktions-Beschwerden wie Unruhe oder Herzrasen. Danach folgt oft die Unterfunktion. Dein Darm kann dem Hormonspiegel also in beide Richtungen folgen.

Aus meiner Praxis

Bei Unterfunktion denke ich immer an einen trägen Darm, an zu wenig Magensäure und an SIBO. Mir ist wichtig, die Ursache anzuschauen: Warum arbeitet der Darm langsam? Sonst kommen die Bakterien oft wieder. Bei Verdacht auf SIBO nutze ich einen Atemgastest, richte mich aber nie allein nach dem Testwert.

2. Autoimmunerkrankungen kommen oft zu zweit

Wer eine Autoimmunerkrankung hat, hat ein höheres Risiko für weitere. Zwei davon betreffen den Verdauungstrakt:

Was das für dich heißt: Wenn Bauchbeschwerden und Schilddrüse bei dir zusammenkommen, lohnt es sich, auch Magen und Darm anzuschauen, statt nur die Schilddrüse.

3. Nährstoffe, die über den Darm zu deiner Schilddrüse kommen

Deine Schilddrüse braucht Mikronährstoffe, und die kommen über den Darm zu ihr. Kommt dort zu wenig an, kann das ein Grund für einen Mangel sein.

Aus meiner Praxis

Jod, Selen, Zink und Eisen gehören für mich zu den wichtigen Bausteinen der Schilddrüse. Aus meiner Erfahrung können diese Nährstoffe einen guten Effekt haben, wenn sie bei dir fehlen. Das ist natürlich immer individuell.

Aus meiner Erfahrung sinken durch Selen die TPO-Antikörper bei Hashimoto, und auch Studien zeigen das. Wenn Studien zeigen, dass Selen bei Hashimoto wichtig ist, Leitlinien es aber trotzdem nicht empfehlen, finde ich das sehr schade. Selen sehe ich außerdem bei der Umwandlung von T4 in T3.

Zink ist in meiner Praxis wichtig für die Umwandlung von T4 in T3 und für die Bildung der Magensäure. Ich finde es schade, dass zu Zink nicht mehr Studien gemacht werden.

Dass die Umwandlung durch Nährstoffmängel, Entzündung, Stress oder Fasten ins Stocken geraten kann, ist meine Praxissicht. Deshalb schaue ich nicht nur auf das TSH, sondern zusätzlich auf fT3 und bei Bedarf auf reverses T3.

Jod ist bei mir im akuten Schub kein Thema, sonst gießt es mehr Benzin ins Feuer. Außerhalb des Schubs ordnen wir es individuell ein. Und wir nehmen nichts auf Verdacht, sondern messen zuerst und entscheiden dann.

Bleibt jemand trotz Tablette müde, schaue ich zuerst nach Eisen, B12 und Folat, nach Schlaf, Blutzucker, Infekten und Stress, bevor es nur noch um die Hormondosis geht.

4. Magensäure und deine Tablette

L-Thyroxin (L-T4) ist das Standardmedikament bei Unterfunktion. Hier geht es nicht darum, die Tablette zu ersetzen, sondern zu verstehen, was beeinflusst, wie viel davon bei dir ankommt.

Einnahme nüchtern, mit Abstand

Die europäische Leitlinie (ETA 2025) empfiehlt: nüchtern einnehmen, mit mindestens 30 Minuten Abstand zu Essen und Trinken, optimal etwa 60 Minuten vor dem Frühstück oder abends mindestens 3 Stunden nach der letzten Mahlzeit [6]. Die Aufnahme sinkt zum Beispiel durch:

Aus meiner Praxis

Zu wenig Magensäure erkennst du nicht an einem einzelnen Zeichen. Mögliche Hinweise können sein: häufiges Aufstoßen, das Gefühl, dass Eiweiß wie ein Stein im Magen liegt, Verstopfung, häufige Magen-Darm-Infekte, Völlegefühl, unverdaute Speisereste im Stuhl oder ein ständiger Nährstoffmangel. Das ist keine Diagnose, sondern eine Wiedererkennungsfrage.

Am genauesten lässt sich die Säure mit einer pH-Metrie messen, also mit einer Sonde im Magen. Pepsinogen im Blut ist weniger genau, und der Rote-Bete-Test zu Hause gibt nur einen Hinweis, keine Sicherheit. Im Alltag helfen oft: langsam essen, dabei zur Ruhe kommen und nicht nebenbei essen. Für die Bildung der Magensäure braucht dein Körper unter anderem Zink und Vitamin B6.

5. Mikrobiom und Darmschleimhaut

Das Mikrobiom ist die Gesamtheit der Bakterien in deinem Darm. In der funktionellen Medizin schauen wir, ob die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist (Dysbiose).

Aus meiner Praxis

So erkläre ich meinen Klientinnen die Darmschleimhaut: Sie hat vier Schutzschichten, nämlich die Darmflora, die Schleimschicht, die Darmzellen mit ihren festen Verbindungen (Tight Junctions) und das Immunsystem. Sind diese Verbindungen dauerhaft geöffnet, zum Beispiel durch chronischen Stress oder Medikamente, können Stoffe in den Körper gelangen, die das Immunsystem aktivieren. Dann spricht man von Leaky Gut, also einer durchlässigen Darmschleimhaut. Für mich ist das ein möglicher Trigger bei Hashimoto, neben anderen.

Beim Darm gehe ich in drei Phasen vor: Erst bereiten wir vor (Stuhlgang, Darmbewegung, Schleimhaut und Nervensystem stabilisieren). Dann kümmern wir uns um die Schleimhaut, beruhigen Entzündungen und behandeln gegebenenfalls Erreger. Zum Schluss bauen wir mit Pro- und Präbiotika wieder auf. Das ist natürlich immer individuell.

6. Stress und Nervensystem

Aus meiner Praxis

In der funktionellen Medizin denken wir Darm, Nervensystem und Hormone zusammen. Dauerhafter Stress kann beeinflussen, wie dein Darm arbeitet, also Bewegung, Schleimhaut und Darmflora. Die Verbindung zwischen Bauch und Kopf läuft unter anderem über den Vagusnerv. Auch die Stressachse, also das Zusammenspiel aus Gehirn, Nebennieren und Cortisol, schaue ich mir an. Als Diagnose ist die „Nebennierenschwäche“ nicht anerkannt. Das Muster dahinter, also eine stressbedingte Erschöpfung, sehe ich in meiner Praxis aber regelmäßig.

Bei Hashimoto lohnt der Blick über die Schilddrüse hinaus: auf Darm, Magensäure, Nährstoffe und Immunsystem.

So gehen wir bei dir in der Praxis vor

Wir sehen uns Darm, Magensäure, Nährstoffe und Schilddrüse zusammen an. Das ist immer individuell. In diesen Schritten:

  1. Deine Geschichte und deine Werte. Wir schauen nicht nur auf das TSH, sondern auch auf fT3 und fT4, also die freien Hormone, und auf deine Antikörper (TPO, Tg).
  2. Darm. Wie verdaust du, und gibt es Hinweise auf Zöliakie oder SIBO? Je nach Beschwerden prüfen wir beides, bei SIBO zum Beispiel mit einem Atemgastest. Der hat Grenzen, deshalb richten wir uns nie allein nach einem Testwert.
  3. Magen und Magensäure. Gibt es Hinweise auf zu wenig Säure, auf H. pylori oder auf eine Autoimmun-Entzündung der Magenschleimhaut?
  4. Nährstoffe. Wir sehen uns Eisenspeicher, Selen, Zink und Vitamin B12 an und ordnen Jod individuell ein. Wir nehmen nichts auf Verdacht, sondern schauen, was bei dir wirklich fehlt.
  5. Reihenfolge festlegen. Gemeinsam entscheiden wir, womit wir anfangen. Schritt für Schritt, in deinem Tempo.

Was ich bei mir anschauen lassen möchte

Das ist keine Diagnose, sondern ein Spiegel. Geh die Punkte in Ruhe durch. Überall dort, wo du denkst „Das hat noch niemand angeschaut“, lohnt sich ein genauerer Blick. Kopier dir die Liste in deine Notizen-App.

WAS ICH BEI MIR ANSCHAUEN LASSEN MÖCHTE
Schilddrüse und Darm

Darm:
[ ] Meine Verdauung: Verstopfung, Durchfall oder Blähbauch? Seit wann, und wechselt es?
[ ] Zöliakie: Wurde sie bei mir schon abgeklärt?
[ ] Dünndarm: Passt bei mir ein Atemgastest auf SIBO? (Mir ist klar, dass der Test Grenzen hat.)

Magensäure:
[ ] Gibt es bei mir Hinweise auf zu wenig Magensäure? (Einen einfachen, wissenschaftlich geprüften Test für zu Hause kenne ich nicht.)
[ ] H. pylori und Magenschleimhaut: Wurde das schon angeschaut?
[ ] Nehme ich Säureblocker (PPI, Antazida), und seit wann?

Nährstoffe:
[ ] Ferritin (Eisenspeicher) und Vitamin B12: Kenne ich meine Werte?
[ ] Selen und Zink: Wurden sie gemessen, bevor ich etwas ergänzt habe?
[ ] Jod: Weiß ich, ob und wie viel für mich passt, oder nehme ich es auf Verdacht?

Immunsystem:
[ ] TPO- und Tg-Antikörper: Sind sie bei mir bestimmt worden?
[ ] Gibt es in meiner Familie Autoimmunerkrankungen (Schilddrüse, Zöliakie, Magen)?
[ ] Gab es eine Phase (Stress, Infekt, Umstellung), ab der es schlechter wurde?

Wenn ich ein Schilddrüsenhormon nehme:
[ ] Wann nehme ich es ein, und was kommt in den Stunden danach (Kaffee, Frühstück, Eisen, Calcium)?
[ ] Wenn sich mein Darm verändert (Ernährung, Behandlung): Werden danach TSH und fT4 kontrolliert?

Du möchtest wissen, was bei dir dahintersteckt?

Dann komm zu uns in die Praxis. Wir schauen uns deine Schilddrüse genauer an, gemeinsam mit Darm, Magensäure und Nährstoffen. Vor Ort in Hilzingen am Bodensee oder online.

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Mehr zum Nachlesen

Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus diesen Arbeiten. Was ich aus meiner Praxis und der funktionellen Medizin beschreibe, steht in den Kästen „Aus meiner Praxis“.

  1. Daher R, Yazbeck T, Jaoude JB, Abboud B: Consequences of dysthyroidism on the digestive tract and viscera. World Journal of Gastroenterology, 2009. Volltext
  2. Roy A, Laszkowska M, Sundström J, et al.: Prevalence of Celiac Disease in Patients with Autoimmune Thyroid Disease: A Meta-Analysis. Thyroid, 2016. Zusammenfassung
  3. Knezevic J, Starchl C, Tmava Berisha A, Amrein K: Thyroid-Gut-Axis: How Does the Microbiota Influence Thyroid Function? Nutrients, 2020. Volltext
  4. Huwiler VV, Maissen-Abgottspon S, Stanga Z, et al.: Selenium Supplementation in Patients with Hashimoto Thyroiditis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. Thyroid, 2024. Zusammenfassung
  5. Fallahi P, Ferrari SM, Elia G, et al.: L-T4 Therapy in Enteric Malabsorptive Disorders. Frontiers in Endocrinology, 2021. Volltext
  6. Centanni M, Duntas L, Feldt-Rasmussen U, et al. (European Thyroid Association): ETA guidelines for the use of levothyroxine sodium preparations in monotherapy to optimize the treatment of hypothyroidism. European Thyroid Journal, 2025. Volltext

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